TomTom, Navigon, Bosch und Skobbler: Neue Navi-Apps fürs iPhone im Vergleichstest

Posted by on 10. Februar 2012
Navi-Apps fürs iPhone sind praktisch - aber welche wählen? Abb.: Navigon

Navi-Apps fürs iPhone sind praktisch - aber welche wählen? Abb.: Navigon

Das Geschäft mit portablen Navigationsgeräten ist rückläufig, dafür werden Navigations-Programme für GPS-Smartphones beliebter. Das mag kaum wundern: Immer mehr Deutsche legen sich ohnehin Computertelefone zu und selbst mit Premium-Apps kommt man meist deutlich günstiger weg als beim Kauf eines separaten Navi-Gerätes. Zudem werden die Apps regelmäßig aktualisiert und dies in aller Regel kostenlos. Seit unserem bisher letzten Vergleichstest haben die führenden Anbieter ihre iPhone-Apps deutlich überarbeitet, zudem ist Bosch in die Test-Riege hinzugekommen. Wir haben die Navi-Apps von TomTom, Garmin (ehemals Navigon), Skobbler und Bosch auf dem iPhone 4 verglichen.

„TomTom DACH“, Version 1.9

TomTom punktet mit guter Routenführung. Abb.: TomTom

TomToms Navi-App gibt’s in mehreren Kartenversionen, im Test hatten wir die DACH-Variante (Deutschland, Österreich, Schweiz). Vor allem in der Kernfunktionalität – Orten und Navigieren – war TomTom besonders rasch und clever, die ermittelten Routen im Großstadtverkehr können selbst Ortskundigen noch Tricks lehren. Auch die Neuberechnung einer Route, wenn der Fahrer einen neuen Weg wählt, geschieht sehr rasch. Angenehm sind auch die Sprachanweisungen, die natürlich gesprochen wirken.

Außerdem bietet die App viele Zusatzfunktionen (wenn auch nicht so viele wie Navigon) wie Zielsuche per Google, Sonderziel-Datenbank (Museen, Tankstellen, Einkaufszentren etc. pp.) und zu den Kontakten im iPhone-Adressbuch. Seit dem jüngsten Update kann man seine Fahrtinfos auch per Mail und Facebook der Welt mitteilen – na ja, wer’s braucht…

Was nicht so gefiel: Zwar hat TomTom inzwischen einen spektakulären 3D-Spurführungsassistenten nachinstalliert, der springt aber anscheinend nur bei Autobahnkreuzen an. Auch fehlt eine permanente Tempolimit-Anzeige wie in anderen Apps. Außerdem muss man Verkehrsinfos und Blitzer-Warner extra per In-App-Kauf dazubuchen.

Pluspunkte:

- Besonders gute Routen

- Hohes Tempo

- Viele Zusatzfunktionen

Minuspunkte:

- Keine permanente Tempolimit-Anzeige

- Spurführungsassistent nur auf Autobahnkreuzen

Preis: 40 Euro (DACH)

Gesamtnote: 2+

 

„Navigon EU 10“, Version 2.0.1.
Navigon bietet den besten Spurassistenten. Abb.: Navigon

Navigon bietet den besten Spurassistenten. Abb.: Navigon

Auch Navigon – das seit der Übernahme durch die Amerikaner Gamin Würzburg GmbH heißt – hat seine iPhone-App inzwischen per Updates aufgemotzt. Hinzu gekommen sind unter anderem Facebook-Verknüpfung, ein kompakterer Startbildschirm und ein neues Kartenmanagement. In der Kernfunktionalität Navigation und Ortung liegt die App leicht hinter TomTom – Neuberechnungen dauern etwas länger und die Routen sind nicht immer optimal.

Dafür bietet die Navigon App mehr Zusatzfunktionen, unter anderem einen „Augmented Reality“-Modus, der über das Live-Bild aus der iPhone-Kamera Stadtinfos und Orientierungspunkte einblendet. Der Spurführungsassistent von Navigon ist der beste im Testfeld, auch die Anzeige des jeweils aktuellen Tempolimits als Verkehrsschild gefällt.

Wie TomTom bietet auch die Navigon-App natürliche Sprachanweisungen. Radarwarner und Stauinfos gibt es auch hier ebenfalls nur als Extra-In-App-Kauf.

 

Pluspunkte:

- Bester Spurführungsassistent

- Tempolimit-Anzeige

- Sehr viele Zusatzfunktionen

Minuspunkte:

- Routen nicht immer optimal

Preis: 75 Euro (EU 10)

Gesamtnote: 2-

 

„Bosch Navigation“, Version 1.5
Einige Sonderziele gibts in 3D-Ansicht. Abb.: Bosch

Einige Sonderziele gibts in 3D-Ansicht. Abb.: Bosch

Boschs Navi-App ist im gehobenen Mittelfeld angesiedelt: Eine solide Lösung, die aber an die Marktführer TomTom und Navigon alias Garmin nicht ganz herankommt. Die Routen sind okay, die Berechnung dauert manchmal etwas. Vorteil: Es gibt zumindest einen einfachen Spurführungsassistenten.

Der Clou dieser App sind die 3D-Gebäudemodelle, die – jedenfalls in den Innenstädten – die Kubatur des Hausbestandes zur Orientierung zeigen, ausgewählte Sehenswürdigkeiten sind auch farbig und detaillierter zu sehen.

Allerdings hat die App auch einige Schwächen. So ist die Adresseingabe recht umständlich, Stadt, Straße und Nummer müssen jeweils einzeln als Menüpunkt aufgerufen werden, zudem merkt sich die App nicht die letzten Adressen. Außerdem sind die eingeblendeten Zusatzinfos im Lotsenmodus nicht unbedingt immer sinnvoll: Wer braucht beim Fahren zum Beispiel die geografischen Längen- und Breitenangaben? Der Platz wäre besser für die aktuell befahrene Straße und die nächste Abbiegung (wie in anderen Navi-Apps) verwendet. Außerdem klingen die Sprachanweisungen etwas blechern. Auch fehlte mir eine Google-gestützte Zielsuche.

 

Pluspunkte:

- 3D-Gebäudemodelle in den Innenstädten

Minuspunkte:

- Blecherne Sprachanweisungen

- Umständliche Bedienoberfläche

- Keine Google-Zielsuche

Preis: 50 Euro (DACH)

Gesamtwertung: 3

 

„GPS Navigation 2“ (Skobbler), Version 4.1.
Die Oberfläche des „GPS Navigation 2“ wirkt nun moderner. Spurführung gibt es aber weiter nicht. Abb. (3): Skobbler

„GPS Navigation 2“ wirkt nun moderner. Spurführung gibt es aber weiter nicht. Abb.: Skobbler

Die Berliner Firma Skobbler nennt ihre Niedrigpreis-Navi-App seit Version 2 „GPS Navigation 2“, weil das Programm drastisch überarbeitet wurde. Die Benutzeroberfläche wirkt nun deutlich schicker und moderner. Auch ist nun – gegen Aufpreis – eine Offline-Navigation ohne Internetverbindung möglich, des weiteren gibt es nun einen Fußgängermodus, Favoriten-Manager, Sonderziele und viele andere Funktionen, die früher nur Premium-Apps vorbehalten waren. Die größten Stärken bleiben das hochaktuelle Kartenmaterial aus dem „Open Street Map“-Projekt und der niedrige Preis.

Allerdings haben sich mit der Generalerneuerung die Schwächen in der Kernfunktionalität nicht gerade verbessert: Die App navigiert manchmal wirre Routen zusammen. Da passiert es auch schon mal, dass man auf einer Hauptverkehrsader, auf der Links-Abbiegen streng verboten ist, nach links geschickt wird.

Auch braucht die App recht lange für eine präzise Ortung und für Neuberechnungen. Die Sprachanweisungen klingen dafür okay, wenn auch nicht überragend.

Pluspunkte:

- Besonders aktuelles Kartenmaterial

- Sehr günstiger Preis

Minuspunkte:

- Teils eklatante Schwächen in der Routenführung

- Lahme Ortung

Preis: 1,59 Euro (optional plus 2,99 Euro für Deutschland-, 5,99 Euro für Europakarte für Offline-Navigation)

Gesamtwertung: 3-

Fazit:

Keine der Apps ist ohne Schwächen, im Zweifelsfall würde ich mich aber wegen der guten Routenführung für TomTom entscheiden. Das ist freilich auch Geschmackssache, denn der Spurführungsassistent der Navigon-App ist wiederum kaum zu toppen. Skobbler hat zwar mit dem der Umbenennung seiner Navi-App und den Umstieg auf Version 2 optisch und funktional deutlich zugelegt, aber die Schwächen in der Kernfunktionalität haben zu einer deutlichen Abwertung geführt.

Generell sei noch darauf hingewiesen, dass wir den Test mit dem iPhone 4 realisiert haben – gerade für das GPS-schwache iPhone 3 ist eine zusätzliche GPS-Hardware-Unterstützung, wie sie zum Beispiel die (allerdings nicht ganz billige) Auto-Halterung „Car Kit for iPhone“ von TomTom mitbringt. Eine Halterung mit Stromzufuhr ist ohnehin empfehlenswert, da der Navigationsbetrieb ordentlich Saft aus dem Smartphone zieht, in unseren Tests zwischen ein und zwei Prozent pro Kilometer. Heiko Weckbrodt

One Response to TomTom, Navigon, Bosch und Skobbler: Neue Navi-Apps fürs iPhone im Vergleichstest

  1. Lars W.

    Ich habe leider sehr schlechte Erfahrungen mit Navigon (iPhone) gemacht:

    Navigon benutze ich bereits seit 2005 (damals “Navigon MobileNavigator” für Windows Mobile). Begeistert haben mich immer die klare Menüführung und die exakten Sprachansagen, die dem Wettbewerb meines Erachtens weit voraus waren.

    Seit etwa 1 Jahr ist jetzt Navigon (iPhone) in der Version 2.x draußen (aktuell bei mir: 2.2 mit Karten von Q3/2012), und seither gibt es einige Dinge, die einem den Spaß wirklich verderben können.

    Die Oberfläche. Eine klare Menüführung gibt es nicht mehr; zunächst strahlen einen 4 große Buttons an, mit denen man noch gut zurecht kommt. Das Layout der App ändert sich aber komplett, wenn man zur Adresseingabe kommt; dann erscheint das iPhone-typische Layout mit Menüleiste oben und Iconleiste unten. Während der Fahrt dann wieder ein anderes Layout: Die Karte im Vollbild, dazu ein Button oben links und ein Button oben rechts, über die verschiedene Optionen aufrufbar sind. Wechselt man zu den Einstellungen erscheint wieder das iPhone-typische Layout mit Menüleiste und Iconleiste. Letztere verschwindet jedoch wieder, sobald man sich in einem Untermenü befindet. Und spätestens wenn man eine ganz bestimmte Einstellung sucht, beginnt ein echtes Geduldsspiel (Beispiel: Heimatadresse ändern).

    Die Performance. Die App ist auf einem iPhone 4 relativ träge, auf einem 3GS macht’s dann gar keinen Spaß mehr, obwohl sie dafür noch angeboten wird. Die ältere Version 1.8.x war da wesentlich flinker. Dabei bieten auch aktuelle Versionen nur unwesentlich mehr Funktionen als die alte 1.8; es gibt leider auch keine Möglichkeit mehr, zu einer älteren Version zurück zu wechseln. Wäre aber auch sinnlos, solange es nicht aktuelle Karten dafür gäbe.

    Die Navigation selbst. Die Navi-Software verhält sich anders als in älteren Versionen; machte Navigon sonst selten Schwierigkeiten, gerät er jetzt oft durcheinander: Grade sagt er noch an, man möge jetzt rechts abbiegen, da meint unmittelbar nach dem Abbiegen plötzlich, man befinde sich in einer Sackgasse, um nochmals 10 Sekunden später wieder den korrekten Weg anzuzeigen. Zudem schaltet er in den “Tunnelmodus”, wenn der Tunnel noch 100m entfernt ist, statt einfach zu warten, bis der Satelliten-Kontakt tatsächlich abbricht. Im “Tunnel-Modus” ist dann keine Karte mehr zu sehen (war auch schonmal anders), sondern nur die Grafik eines Tunnels. Diese wird dann solange angezeigt, bis Navigon wieder Satelliten-Kontakt hat, was nach Ende des Tunnels schonmal etwa 20 Sekunden dauern kann – in der Zeit hat man bereits ein gutes Stück zurückgelegt und in Städten bequem 3 Kreuzungen passiert. Würde er einfach die Karte anzeigen, könnte man sich wenigstens orientieren. Ich meine, es war mal so, dass man das Verhalten bei einem Tunnel selbst festlegen konnte. Dazu finde ich jetzt aber nichts mehr in den Einstellungen.

    Die Ansage von Autobahnausfahrten. GANZ GEFÄHRLICH. Beispiel: Navigon möchte von der Autobahn A1 auf die A27 Richtung Cuxhaven (Gegenrichtung wäre Hannover). Dann lautet die Ansage: “Jetzt Ausfahrt XY Richtung Hannover, dann sofort links fahren”. Es ist also eine Abfahrt mit 2 Ausfahrten, die erste führt Richtung Hannover, die zweite Richtung Cuxhaven. Man muss schon aufs Display schauen, um zu verstehen, dass er eben – entgegen seiner Ansage – NICHT Richtung Hannover will, sondern sich nur an dieser Abfahrt einordnen will, um dann die zweite Ausfahrt Richtung Cuxhaven abzufahren. Wenn man aber fremd ist und die Ansage hört (“Jetzt Ausfahrt XY Richtung Hannover”), dann dürfte schon so mancher sich flugs in die Spur Richtung Hannover eingeordnet haben und damit prompt in die falsche Richtung fahren. Die Ansage bei älteren Versionen war übrigens etwa in dieser Art: “Jetzt Ausfahrt XY Cuxhaven/Hannover, und der Parallelfahrbahn folgen. Dann rechts abbiegen Richtung Cuxhaven” (so ähnlich, ich krieg’s nicht wortgenau zusammen).

    Eine deutliche Verschlimmbesserung an vielen Stellen. Der professionelle Touch, der mich ursprünglich zu Navigon getrieben und bis heute dort gehalten hat, ist gänzlich verloren gegangen. Ich weiß nicht, ob’s an der Übernahme durch Garmin liegt. Könnte mir auch vorstellen, dass eine andere Engine im Inneren werkelt (Garmin hat da ja sicher eigene Entwicklungen). Möglicherweise ist es auch eine völlig andere App, die nur noch einen Navigon-Schriftzug trägt. Auf jedenfall ist sie so nicht zu gebrauchen. Da tröstet es auch nicht, dass sich der Horizont in der 3D-Ansicht abends in einen Sternenhimmel verwandelt. Die Erweiterung TrafficLive (Stauumfahrung) ist übrigens ganz sinnvoll. Nutzt nur leider wenig, wenn andere elementare Funktionen nicht so werkeln, wie man es erwartet.

    Ich bedauere, dass ich Navigon bisher so vielen Menschen empfohlen habe. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur sagen: Finger weg davon.

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