Sanfte Maschinenarme: Deutsche Hydraulikbranche erwartet sieben Prozent Umsatzplus

Posted by on 27. März 2012
Neueste Fluid-Technik: Der bionische Arm ist einem Elefantenrüssel nachempfunden. Abb.: Festo

Neueste Fluid-Technik: Der bionische Arm ist einem Elefantenrüssel nachempfunden. Abb.: Festo

Dresden, 27.3.2012: Die deutsche Hydraulik- und Pneumatikindustrie („Fluidtechnik“) wird sich in diesem Jahr dynamischer als der gesamte Maschinenbau in Deutschland entwickeln. Das prognostizierte Christian Kienzle vom Fachverband „Fluidtechnik“ gestern auf dem „8. Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium“ (IFK) in Dresden. Er geht für 2012 und 2013 von je sieben Prozent Umsatzplus in der Fluidtechnik aus, während im allgemeinen Maschinenbau Stagnation zu erwarten sei.

Im vergangenen Jahr hatte die Branche einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Davon entfielen 4,8 Milliarden Euro auf Hydrauliklösungen (plus 28 Prozent zum Vorjahr) und zwei Milliarden auf die Pneumatik (plus 19 Prozent).

„Wenn wir uns den deutschen Maschinenbau als Baum vorstellen, sind Pneumatik und Hydraulik der Stamm“, betonte Kienzle. „Ohne unsere Technik würden viele Maschinen und Fahrzeuge, die Deutschland so erfolgreich exportiert, gar nicht funktionieren.“

Verband dringt auf mehr Forschungsförderung durch Steuererleichterungen

Zugleich appellierte er an den Bund, durch Steuervergünstigungen die Forschungsaktivitäten in der Industrie zu fördern, damit die deutsche Fluidtechnik ihre internationale Spitzenposition halten könne.

Künstliche Möwen und bionische Greifarme
Künstliche und natürliche Taube Aug in Aug. Abb.: Festo

Künstliche und natürliche Taube Aug in Aug. Abb.: Festo

Und die versucht die Branche gerade auszubauen: Durch noch komplexere technologische Ansätze, aber auch, indem sich die Industrie eine Scheibe bei der Natur abschneidet. So präsentierte die Firma Festo aus Esslingen beim IFK in Dresden eine bionische Möwe und einen bionischen Greifarm. Erstere nennt sich „SmartBird“, hat zwei Meter Flügelspannweite und einen Lithium-Akku als energetische Herz; er fliegt und landet autonom. Im Zusammenspiel von Computern, Servomotoren und Leichtbaumaterialien soll der künstliche Vogel zeigen, wie weit sich selbst komplexe Fluidtechnik miniaturisieren lässt.

Schon anwendungsnäher ist da Festos bionischer Greifarm, der sich am Elefantenrüssel als Vorbild orientiert: Eine Kette aus Polyamid-Kunststoffteilen wird durch ein ausgeklügeltes Druckluftsystem wie ein Muskel-Skelett-Gebilde bewegt und kann – anders als grobschlächtige Roboterarme – auch empfindliche Waren wie Äpfel greifen und sortieren. „Das hier eingebaute Ventilsystem wird zum Beispiel bereits in Oberklasseautos für Nackenmassage-Systeme im Fahrersitz verwendet“, berichtet Festo-Forschungsdirektor Dr. Peter Post.

Generell gehe der Trend hin zu höherer Leistungsdichte und mehr Funktionalität bei immer einfacherer Steuerung, betonte Kienzle. „Stellen Sie sich zum Beispiel einen Kran vor, der aus einem Hochhaus ein Klavier herausheben soll – und zwar millimetergenau, ohne Zittern. Der Bediener steht auf dem Hochhaus gegenüber und steuert diese komplexe und präzise Hydraulik so simpel wie in einem Videospiel mit einem Joystick.“

Fachkräftemangel droht: Jeder zweite Maschinenbau-Anfänger bricht Studium ab

Angesichts solcher ingenieurtechnischer Meisterleistungen sei die deutsche Fluidtechnik weltweit begehrt, besonders im Wachstumsmarkt China. Umso bedenklicher sei der drohende Fachkräftemangel, erklärte Kienzle, dessen Verband 130 Firmen mit über 30.000 Mitarbeitern und etwa sieben Milliarden Euro Jahresumsatz repräsentiert. „Erschreckend ist, dass wir von knapp 56.000 Studienbeginnern im Maschinenbau vermutlich – so die Abbrecherquote heute – zirka die Hälfte verlieren werden.“ Auch Politik und Unis seien da gefragt, die Ausbildungsbedingungen für angehende Ingenieure attraktiver zu gestalten.

Dabei gehört die TU Dresden zu den Hochburgen der Fluidtechnik-Forschung. Daher wird das IFK auch im Zwei-Jahres-Rhythmus mal in Dresden, mal in Aachen ausgerichtet. Zum diesjährigen Kolloquium sind über 700 Vertreter aus Forschung und Industrie aus 27 Ländern angereist. Heiko Weckbrodt

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